Mutter Natur ist der größte Künstler | Lower Antelope Canyon

Antelope Canyon

Es gibt diese Dinge: Die sind sind so schön, die kann sich niemand ausdenken, niemand erfinden, niemand nachstellen. Diese Dinge, die nur die Natur selbst über viele Tausend oder gar Millionen Jahre schaffen kann. Von diesen Highlights bietet der Südwesten der USA besonders viele; der Upper und der Lower Antelope Canyon bei Page sind aber ohne Zweifel ganz besonderere Orte.

Was ist eigentlich ein Slot Canyon?

Wer sich mit den beiden Antelope Canyons bei Page beschäftigt begegnet recht bald dem Begriff Slot Canyon. Das sind sehr schmale und enge Schluchten, die durch Wasser geschaffen wurden. Charakteristisch sind nicht nur die geschwungenen Formen, welche die Fließbewegungen des Wassers hinterlassen haben, sondern auch die äußeren klimatischen Bedingungen, damit solche Wunderwerke überhaupt entstehen können: Slot Canyons liegen typischerweise in trockenen Gegenden mit Sandstein, der durch Wasser und Wind über die Jahre geformt wird.

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Vorsicht bei schlechtem Wetter

Wenn Regen oder Gewitter angesagt sind fällt ein Besuch im Antelope Canyon leider flach. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, dass man dort unten durch die engen Schlitze vor herabfallenden Regenmassen geschützt ist: Genau da liegt die Gefahr von Slot Canyons. Es kommt bei starkem Regen blitzschnell zu Sturzfluten, die in kürzester Zeit den Canyon mit Wasser fluten und leider schon zu tödlichen Unfällen geführt haben. So schnell wie das Wasser steigt kann man sich über die Treppen nicht nach oben retten.

Über solche Metalltreppen gelangt man in den Canyon hinunter und am Ende auch wieder hinaus. Schöner ist es allerdings durch den Canyon auch wieder zurück zu laufen, um alles noch einmal aus anderen Perspektiven zu sehen. Meistens schafft man es leider zeitlich nicht mehr den Rückweg ebenfalls durch den Canyon anzutreten.
Über solche Metalltreppen gelangt man in den Canyon hinunter und am Ende auch wieder hinaus. Schöner ist es allerdings durch den Canyon auch wieder zurück zu laufen, um alles noch einmal aus anderen Perspektiven zu sehen. Meistens schafft man es leider zeitlich nicht mehr den Rückweg ebenfalls durch den Canyon anzutreten.

Upper vs. Lower Antelope Canyon

Wir wussten, dass wir nur Zeit für einen der beiden Canyons haben werden und haben lange überlegt auf welchen nun die Entscheidung fällt.

Der Upper Antelope Canyon ist die bekanntere der beiden Schluchten und vor allem für die spektakulären Lichtsäulen – die sogenannten “Beams” – berühmt. Besonders um die Mittagszeit, zwischen ca. 11 und 13 Uhr sind die Beams durch die senkrecht einfallende Sonne besonders gut zu sehen und reichen von den hohen Wänden bis hinunter auf den sandigen Boden. Die Schlucht ist mehrere hundert Meter lang, kathedralenförmig und nahezu ebenerdig. Ein spektakuläres Naturschauspiel und einfache Erreichbarkeit sorgen leider für einen Wehrmutstropfen: Der Upper Antelope Canyon gilt inzwischen als vollkommen überlaufen. Besonders um die Mittagszeit ist es dort sehr voll; alle Fotografen werden es schwer haben ein menschenleeres Motiv zu erwischen. Besucht man den Canyon regulär hat man eine Stunde Aufenthaltszeit, mit der Fotografen-Tour sind es 2 Stunden und ein Guide leitet euch zu den schönsten Stellen und wirft den Sand genauso in die Lichtstrahlen, dass man sie optimal ablichten kann.

Der Lower Antelope Canyon ist verwinkelter, schwerer zugänglich und hat nahezu keine Beams. Trotzdem ist er wunderschön und vor allem nicht so überlaufen. Der Eingang ist nicht so pompös wie beim Upper, sondern man zwängt sich über steile Metalltreppen durch eine dünne Felsspalte hinunter auf den sandigen Boden im Canyon. Die Vielfalt an Formen, Motiven und Farben entschädigen jedoch für den teils etwas beschwerlichen Weg durch den Canyon. Am schönsten ist ein Besuch im Lower Antelope Canyon am Vormittag (zwischen 9.00 und 11.00 Uhr) und am Nachmittag (zwischen 13.00 und 15.00 Uhr). Um die Mittagszeit werden die Wände des Canyons durch die steil hereinfallende Sonne vollkommen überstrahlt und wirken eher blass bräunlich als wunderschön leuchtend rot orange.

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Ihr seht: Die Wahl fällt absolut nicht einfach. Wenn ihr einen ganzen Tag für die Antelope Canyons einplanen könnt besucht doch am besten einfach beide und macht euch einen eigenen Eindruck. Morgens oder Nachmittags ab in den Lower Antelope Canyon, um die Mittagszeit in den Upper.

Anfahrt und Eintrittspreise

Folgt man dem Highway 98 von Page kommend, biegt man vor dem Kraftwerk links zum Lower und rechts zum Upper Antelope Canyon ab. Den Lower kann man direkt vom kleinen Kassenhäuschen aus erreichen, der Weg zum Upper führt zunächst zu einem großen Parkplatz von wo aus man von den Navajos mit Jeeps zum Eingang des Canyons gebracht wird. Die beiden Canyons sind keine offziellen National- oder Stateparks und deshalb auch nicht mit einem Annual Pass zu besichtigen. Die Eintrittspreise müssen hier direkt an die Navajos gezahlt werden, die diese Reservate verwalten. Der Preis setzt sich zusammen aus einem allgemeinen Obolus für die Navajos und dem Eintrittspreis für den Canyon. Besucht man an einem Tag sowohl den Upper als auch den Lower Antelope Canyon muss man die Navajo-Abgabe nur einmal zahlen.

Die Preise haben sich in den letzten Jahren steil nach oben entwickelt. Inzwischen gibt es zu den besonders beliebten Besuchszeiten noch einmal einen extra Preiszuschlag. Genaue Angaben erhaltet ihr im Zweifel also erst vor Ort, ein grober Hinweis sind unsere letzten bekannten Preisangaben.

Lower Antelope Canyon mit Navajo Tour
Dauer: ca. 1 Std.
26 Dollar (inkl. 8 Dollar Navajo Fee)

Fotografen-Tour
Dauer: ca. 2 Std., auf eigene Faust
Voraussetzung: Spiegelreflexkamera und Stativ (kann gegen Gebühr auch geliehen werden)
50 Dollar (inkl. 8 Dollar Navajo Fee)

Geführte Besichtigung mit den Navajos oder Fotografentour?

Wir entdecken normalerweise immer sehr gerne Orte auf eigene Faust und mögen nicht den Zwang durch Gruppenführungen. Selten kann man so lange an einem Ort verweilen wie man möchte und gerade beim Fotografieren lassen wir uns ungern hetzen. Der Lower Antelope Canyon kann sowohl in regelmäßig startenden Gruppen besucht werden oder – wenn man sich durch Stativ und Spiegelreflex-Kamera als ambitionierter oder professioneller Fotograf zu erkennen gibt – auch alleine. Die Gruppenführungen dauern ca. 1 Stunde, mit Fotografen-Ticket darf man 2 Stunden hinein. Da spricht zunächst alles für die Fotografen-Tour, allein weil man länger im Canyon verweilen darf.

Da wir jedoch erst um 14 Uhr am Canyon waren konnten wir nur noch an einer geführten Tour mit einem der Navajos teilnehmen (zwar mit Kameras, aber ohne Stative), was sich im Nachhinein als großer Glücksgriff herausstellte. Unsere Gruppe war mit 8 Teilnehmern sehr klein und überschaubar. Touristenströme wie man sie vom Upper Antelope Canyon berichtet bekommt sind hier absolut selten. Während der Führung haben wir uns aufgeteilt. Einer von uns blieb mehr oder weniger nah beim Navajo, der auf der viele Felsformationen aufmerksam gemacht hat, die man sonst sicherlich übersehen hätte. Weiter hinter in der Gruppe konnte man auch tolle Aufnahmen hinauf gen Himmel schießen ohne von den anderen Gruppenmitglieder zur Seite geschoben zu werden. Vor lauter “Wow und “Ohh” ist man schnell überfordert wo man eigentlich zuerst hinschauen soll. Tipp: Schaut nicht nur nach oben, sondern werft auch mal einen Blick zurück oder schaut euch Felsformationen direkt vor euch genauer an. Aufpassen solltet ihr auch mit zu starkem Gegenlicht, das überstrahlt hinterher eure Bilder. Wie immer macht es hier die Mischung an Perspektiven.

Durch schmale Felsspalten und auf sandigem Boden geht es durch den Antelope Canyon
Durch schmale Felsspalten und auf sandigem Boden geht es durch den Lower Antelope Canyon
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Die Mumie :-)
Eines unserer Lieblingsmotive, das wir ohne Navajo nicht entdeckt hätten: Die Mumie 🙂
Hier erkennt man einen Hauch von Beam. Wer das noch viel intensiver erleben möchte sollte sich den Upper Antelope Canyon um die Mittagszeit anschauen.
Hier erkennt man einen Hauch von Beam. Wer das noch viel intensiver erleben möchte sollte sich den Upper Antelope Canyon um die Mittagszeit anschauen.

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Externe Touren von Page

Zahlreiche Anbieter organisieren Touren von Page aus zu einem oder beiden Antelope Canyons und auch zu weiteren Slot Canyons in der Nähe. Vorteil dabei ist, dass man zu einem fest planbaren Zeitpunkt bei den Canyons ist. Der Nachteil ist eben genau das: Man legt sich auf eine Tour fest und hat bei schlechtem Wetter leider schlechte Karten, wenn die Tour evtl. abgesagt werden muss. Gerade für den Upper Antelope Canyon gelten die organisierten Touren inzwischen jedoch als mehr oder weniger einzige Option, um den Canyon ohne große Wartezeiten besuchen zu können. Anbieter für Touren sind unter anderem:

Adventurous Antelope Canyon Photo Tours
Antelope Canyon Navajo Tours
Antelope Canyon Tours
Grand Circle Adventures
Ken’s Tours

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Tipp: Klamotten und Kameras mögen keinen roten Sandstaub

Wie porös der Sandstein im Canyon ist wird man schon auf dem Weg hinunter merken. An vielen Stellen rieselt der Sand von den Wänden, der Boden ist staubig und spätestens wenn für die berühmten Beams ein wenig Sand in einen Sonnenstrahl geworfen wird merkt man: Besser keine frischen Klamotten anziehen. Hier nimmt jeder ganz viel kleine Sandkörner mit. Für Kameras gilt das gleiche. Nehmt unbedingt einen Schutz wie z. B. eine Plastiktüte mit und reinigt am Abend mit einem kleinen Puster die Gewinde und Objektive.

Zahlen & Fakten zum Tag

Start/Ziel Tusayan/Page
Gefahrene Strecke ca. 330 km
Unterkunft Courtyard Marriot Page
Restaurant Ken’s Old West Steakhouse, Page
Aktivitäten Desert View Point Grand Canyon
Lower Antelope Canyon

Habt ihr schon einmal einen oder sogar beide Slot Canyons in Page besucht? Dann schreibt uns gerne welcher euch besser gefallen habt und schickt Links zu euren Bildern. Wir lieben die Bilder, die dort entstehen, da ist jedes wie ein einmaliges Gemälde.

Geschrieben von
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15 Kommentare

  • Wir waren auch im Lower Canyon. Er ist wirklich unglaublich schön und eines der vielen Highlights eines Westküsten Road Trips. Wir hatten damals die Fotografentour, was ganz gut war, da bei uns sehr voll war. Schön eure Bilder zu sehen. Ich muss unsere auch mal endlich suchen, ebenso wie das Moose von dem ich mir nach euren Ergänzungen sicher bin, dass es ein Hirsch war :-/

    Alles Liebe,
    Tanja

    • Liebe Tanja,
      wir sind ganz gespannt auf deine Fotos vom Canyon und natürlich vom Moose 🙂 die Fotografen Tour können wir nur empfehlen, allein deshalb, weil man dann länger im Canyon bleiben darf. Selbst 2 Stunden vergehen ja wie im Flug.
      Herzliche Grüße,
      Anke & Thorsten

  • Wundervolle Bilder!
    Ich habe schon bei einer Freundin Bilder gesehen und war total begeistert.
    Jetzt noch eure Bilder und der Bericht dazu und ein Besuch des Antelope Canyon rutscht auf meiner Liste der Wunschreiseziele ganz weit nach oben.
    Großartig!
    Grüße
    Steffi

    • Liebe Steffi,
      das klingt nach einem tollen Plan 🙂 Wenn du in der Gegend bist, plane auf jeden Fall reichlich Zeit für Page ein. Die beiden Antelope Canyons kannst du gut an einem Tag besuchen evtl. kombinierst du das sogar noch mit weiteren Slot Canyons der Gegend. Bootsfahrten über den Colorado River sind ebenfalls großartig, darüber berichten wir in unserem nächsten Post. Und dann ist da ja noch der tolle Horseshoe Bend, ein unglaublich toller Aussichtspunkt. Und rund um den Lake Powell wird dir garantiert nicht langweilig.
      Liebe Grüße,
      Anke & Thorsten

  • Wow – ich bin von den Fotos total beeindruckt! Wir haben mal eine Tagestour von Las Vegas aus zum Valley of Fire gemacht. Da hatte ich ähnliche Bilder erhofft, aber das Wetter hat nicht mitgespielt und alles war irgendwie farblos blass! Aber trotzdem eine schöne Gegend.

    Liebe Grüße
    Franziska

    • Hallo Franziska,
      das Valley of Fire wollten wir auch erst sehen haben es dann aber zugunsten einer ausgiebigeren Zeit in Vegas ausgelassen. Irgendwann ist man ja auch an dem Punkt an dem man roten Sandstein nicht mehr so spektakulär findet. Im Nachhinein kaum zu glauben aber damals erging es uns so 🙂 zum Teil kann man mit der Nachbearbeitung ja noch einiges aus den Bildern herausholen, aber wenn es bewölkt ist oder die Sonne nicht mitspielt fehlt einfach der Effekt.
      Liebe Grüße,
      Anke & Thorsten

    • Immer gerne, tolle Bilder und ein schöner Artikel zum Antelope Canyon bei dir. Dass der Lower ein wenig entspannter ist konnten wir auch beobachten. Die Besichtigung fand in kleinen Gruppen statt und wir sind da sehr entspannt durchgewandert. Das liegt sicherlich auch daran, dass man nicht erst mit den Jeeps dorthin kutschiert ist. Dadurch entsteht nicht so ein Stress und Druck mit wartenden Gruppen.

  • Wow – tolle Bilder. Wir wollten vor 2 Jahren ebenfalls in den Lower Antelope Canyon, der aber wegen einer Flash Flood gesperrt war… entsprechend überlaufen war der Upper Antelope Canyon. Auch dort mußten wir nach 15 Minuten wieder raus, denn ein Gewitter nahte. Damals habe ich mich ziemlich geärgert, vor allem weil wir viel Geld dafür bezahlt hatten… Heute freue ich mich, dass wir wenigstens eine Viertel Stunde im Canyon waren und ich einige schöne Bilder zur Erinnerung machen konnte.

    • Die Eintrittspreise sind wirklich happig und wie man liest steigen sie ja ständig weiter. Das schlechte Wetter ist leider wirklich ein Risikofaktor – schade, dass es bei euch nur für 15 Minuten gereicht hat. Aber hey, genau wie du sagst: Immerhin eine Viertelstunde Erlebnis 🙂

    • Danke dir, liebe Beatrice. Wir sind umso glücklicher, dass die Bilder gut geworden sind, weil sie alle ohne Stativ aufgenommen wurden. Die ISO-Zahl musste entsprechend hoch gewählt werden, sodass wir erst am Rechner sehen konnten ob es nicht alles total verrauscht ist. Glück gehabt 🙂

  • soo tolle Bilder!!! Ich bin ganz begeistert und voller Vorfreude auf unsere Reise im Mai nach San Francisco, Grand Canyon und Umgebung bis Las Vegas. Danke für eure vielen tollen Tipps!!! Danach kann ich euch vielleicht noch welche beisteuern. Mich hat auf unserer Reise vor 15 Jahren auch der Joshua Treepark sehr beeindruckt, falls ihr den noch nicht gesehen haben solltet.

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