Aurora Borealis | 10 Fototipps für Nordlichter

Nordlichter

5 Nächte lang hatten wir einen unruhigen Schlaf, wachten immer wieder auf und schauten zum Himmel. Eine sich schnell bewegende Wolke oder ein schimmernder Lichtschein am Himmel ließ uns nervös werden – ist das ein Nordlicht? Bestimmt, oder? Das muss es sein. Nein, 5 Nächte lang hatten wir kein Glück. Wolken bedeckten den Himmel und wir hatten nicht mehr viel Zeit bis zu unserer Abreise.

Aber dann hatten wir Glück. Morgens um halb 4 war es soweit. Ein tanzender Schleier bewegt sich sanft über den Himmel. Grün schimmernde Schleier strahlen mal heller, mal dunkler, lösen sich auf und es bilden sich neue. Eindeutig: Das ist das Wunder, auf das wir gewarten haben: Aurora Borealis.

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#1: Wann und wo sehe ich Nordlichter?

Nordlichter könnt ihr nur in den Wintermonaten beobachten, denn ihr braucht einen sternenklaren und dunklen Himmel. Am besten macht ihr euch in der Zeit zwischen Oktober und April auf in Richtung Polarkreis. Dann sind die Nächte lang und außerhalb der Städte und fernab von Luftverschmutzung habt ihr gute Chancen auf ein tolles nächtliches Spektakel. Für Island findet ihr hier die aktuelle Vorhersage für Nordlichter.

Hilfreich für die Vorbereitung sind natürlich außerdem die gängigen Wetter-Apps. Für das perfekte Nordlicht-Erlebnis braucht man nicht nur Sonnenaktivität, sondern auch einen absolut wolkenfreien Himmel. Zugegeben: Der wolkenfreie Himmel ist das größere Problem. Denn geomagnetische Aktivität gibt es immer – erfasst werden diese in der sogenannten kP Skala. Ab einem Wert von 2 (schwach) kann man Nordlichter auf Island schon gut beobachten. Wir hatten leider nur Stufe 2, noch viel beeindruckender und lebendiger wirken die Polarlichter bei Stärken von 3 oder 4. Ab Stärke 6 (das ist dann schon ein richtiger geomagnetischer Sturm) kann man Nordlichter sogar im Norden Deutschlands sehen – diese Intensität ist jedoch recht selten. Die Faustregel ist einfach: Je nördlicher ihr euch auf der Erdkugel befindet, desto geringer kann der kP-Wert sein, um Nordlichter noch zu sehen.

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#2: Technische Vorbereitungen

Damit es nachts in der Kälte nicht allzu hektisch wird, stellt ihr eure Kamera (optimalerweise eine Spiegelreflexkamera oder alternativ Bridgekamera) am besten schon vorher passend ein. Wie für alle Fotos sollte auch hier gelten: Grundsätzlich im RAW Modus fotografieren. Nur so könnt ihr Weißabgleich, Kontrast, Schärfe und Belichtung hinterher vernünftig anpassen. Damit ihr Himmel und Sterne scharf abgebildet bekommt müsst ihr den manuellen Fokus eurer Kamera nutzen. Achtung: Testet hierzu vorher unbedingt einmal bei Tageslicht die Einstellungen. Wenn ihr den Fokusring auf das unendlich Symbol dreht ist das meistens nicht der Punkt, der wirklich ins Unendliche fokussiert. Der wirkliche Schärfepunkt liegt meist ein paar Millimeter daneben.

#3: Was ziehe ich an?

Neben der technischen Ausrüstung achtet unbedingt auch auf entsprechende Kleidung. Funktionsunterwäsche werdet ihr beim langen Stehen in der nächtlichen Kälte lieben. Ebenso Schneeschuhe, da ihr nie wisst wo ihr dann doch mal ein paar Meter abseits der Straße durchs Feld stapfen müsst. Für die restliche Kleidung gilt natürlich Ziebellook, der hält euch lange warm. Wichtig sind funktionale Handschuhe, die euch auch die Kamera noch gut bedienen lassen. Vor lauter Aufregung haben wir leider ein paar Handschuhe nachts vergessen. Bei eisigem Wind nachts die Kamera mit nackten Griffeln bedienen – ist leider nicht der schönste Spaß. Eine entsprechende Jacke, Schal und Mütze sollte natürlich auch nicht fehlen. Denkt je nach Wind auch an ein Tuch, dass ihr euch vor das Gesicht binden könnt um Nase und Mund ein wenig zu schützen.

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#4: ISO, Blende und Verschlusszeit richtig einstellen

Das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert testet ihr am besten mit ein paar Probeaufnahmen vor Ort. Die jeweiligen Einstellungen sind immer abhängig vom Licht in der Umgebung, beispielsweise Mondschein oder der Stärke der Polarlichter. Grundsätzlich gelten aber folgende Regeln für die perfekten Nordlichtfotos: Stellt die Blende auf die größtmögliche Öffnung, wählt die kürzestmögliche Verschlusszeit und wählt eine dazu passende ISO Zahl zwischen 1.000 und 2.000 je nach Kameramodell. Wie sich eure Kamera bei hohen ISO-Werten verhält testet ihr am besten vorher schon mal zu Hause. Startet eine Belichtungsreihe mit unterschiedlichen ISO-Werten und vergleicht das Ergebnis hinterher am Rechner. Mit Lightroom oder diversen Photoshop Plugins könnt ihr das Rauschen ein wenig herausrechnen.

Unsere Fotos sind bei ISO 1.000 bis 2.000 entstanden, die Blende war weitmöglichst geöffnet (2,8 bzw. 3,5) und die Verschlusszeit bewegte sich zwischen 8 und 15 Sekunden.

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#5: Zeitraffer mit der Reserveausrüstung

Eine der meisten Fragen, die uns zum Thema Nordlichter gestellt wurde lautet: Wie bewegen sich Nordlichter eigentlich? Gar nicht so einfach zu beschreiben. Falls ihr einen zweiten Kamerabody und sogar ein zweites Stativ besitzt lohnt es sich diese Ausrüstung auch mitzunehmen. Für Zeitrafferaufnahmen wird euch bei Nordlicht-Aufnahmen eine GoPro leider nicht helfen, da hier die Auflösung und Qualität der Bilder zu schlecht wäre. Mit einer zweiten Spiegelreflexkamera ist das hingegen kein Problem und die Fotos lassen sich hinterher zu beeindruckenden Zeitraffer-Videos zusammenschneiden.

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#6: Bildgestaltung – Nur Himmel ist nicht spannend

Beim Blick an die tanzenden Lichter am Himmel kommt man schnell in Versuchung nur eben diesen auf Fotos abzubilden. Dann fehlt den Bildern jedoch die gewisse Tiefe und sie wirken recht unspektakulär. Das Auge braucht einen Bezugspunkt im Bild, um die Dimensionen zu begreifen. Am schönsten wirken Nordlichtfotos, wenn ihr einen schönen Vordergrund, eine spannende Landschaft abbilden könnt. Auf Island sind der Kirkjufell auf der Halbinsel Snaefellsnes oder die Gletscherlagune Jökulsarlon beeindruckende Motive. Vor dieser Kulisse die Nordlichter bestaunen – Wow! Ein echter Traum. Aber auch andere Szenerien wie eine schöne Bergkette oder ein See können wunderschön aussehen.
Dazu sei aber gesagt: Ihr könnt ja froh und glücklich sein überhaupt Nordlichter am Himmel zu sehen. Da ist die Kulisse sicherlich zweitranging. Wir haben in 6 Nächten nur einmal das Glück eines wolkenfreien Himmels gehabt, zudem war die Sonnenaktivität in diesen Tagen sehr schwach bei 1-2.

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#7: Lichtstarke Linsen

Lichtstarke Weitwinkelobjektive sind die Linsen der Wahl für die perfekten Nordlicht-Fotos. Damit könnt ih die tanzenden Lichter schön in Szene setzen und habt auch die Chance etwas von der umliegenden Landschaft zu zeigen. 18 mm Brennweite sollten es mindestens sein, die meisten Bilder sind bei und mit 10 mm entstanden.

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#8: Stativ, Fernauslöser, Akku, Taschenlampe | Das wichtigste Zubehör

Ein stabiles Stativ ist nicht nur für Nordlichtfotos ein absolutes Muss, sondern wird euch auch bei vielen anderen Situationen Spaß machen. Von daher lohnt hier eine gute Investition, die euch lange begleitet. In unserer Nordlichtnacht war es recht stürmisch, da merkt man, dass ein Stativ nie stabil genug sein kann. Zweites wichtiges Zubehör ist ein Fernauslöser, um verwacklungsfrei auszulösen. Entweder schraubt man diesen direkt an die Kamera (Kabelauslöser) oder ihr habt eine kleine Fernbedienung zur Steuerung. Mindestens einen Reserveakku solltet ihr dabei haben, denn Langzeitbelichtungen saugen euch den Akku schnell leer. Tipp: Tragt den Reserveakku nah am Körper, z. B. in der Hosentasche oder Innentasche eurer Jacke, dann entlädt sich der Akku durch die Kälte nicht so schnell. Für Einstellungen an der Kamera sollte man immer eine kleine Taschenlampe bei sich tragen. Im Dunkeln sieht man nicht jedes Rädchen abseits des beleuchteten Displays.

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#9: Woher kommen die wunderschönen Farben

Polarlichter schimmern üblicherweise grünlich, bläulich und rot-violett. Abhängig ist das Erscheinungsbild von den Teilchen in der Atmosphäre und der Höhe, in der die Lichter auftreten. Je näher die Lichter an der Erde sind, desto grünlicher sind sie. Polarlichter in einer Höhe von 150 bis 500 Kilometern schimmern rötlich, bläulich und als Mischfarbe auch violett.

Wenn ihr nicht sicher seid ob ihr den entfernten Lichtschimmer einer Stadt oder ein Nordlicht seht, macht einfach ein paar Testaufnahmen mit eurer Kamera. Seht ihr einen grünlichen Schimmer habt ihr Chacen auf Polarlichter. Seht ihr jedoch einen gelblich bis orangenen Farbschleier sind es wohl leider nur künstliche Lichtquellen.

Korrigiert uns gerne wenn ihr andere Beobachtungen gemacht habt: Aber die wirklich schönen Farben und Farbschleier haben wir nur hinterher auf den Fotos gesehen. Die Lichter bewegen sich halbwegs schnell und schimmern überwiegend grünlich. Violette und blaue Schimmer haben wir mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen können.

#10: Checkliste für die perfekten Nordlicht Fotos

  • Sonnenaktivität und wolkenfreier Himmel in den Wintermonaten zwischen Oktober und April
  • Spiegelreflexkamera mit lichtstarkem Weitwinkelobjektiv
  • Fotografiert ausschließlich im RAW Modus
  • Blende komplett öffnen (3,5 oder 2,8 sind ideale Werte)
  • Kürzestmögliche Verschlusszeit, damit die Sterne nicht verschwimmen
  • ISO-Wert zwischen 1.000 und 2.000
  • Stabiles Stativ, Fernauslöser und Reserveakkus
  • Kleine Taschenlampe
  • Winter- und wetterfeste Kleidung, mit der ihr einige Stunden nachts draußen bleiben könnt

Der nächtliche Himmel ist ein fantastisches Fotomotiv – selbst ohne Nordlichter. Im Sommer wollen wir nachts losziehen, um unsere Milchstraße zu fotografieren. Habt ihr schon einmal Fotos davon gesehen? Wir finden sie unglaublich beeindruckend und freuen uns auf laue und sternenklare Sommernächte.

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12 Kommentare

  • Super schöne Fotos! Übrigens wurde ja in letzter Zeit häufiger geschrieben – und ihr habt es ja auch angedeutet -, dass man Nordlichter so wie sie beispielsweise auf den Fotos hier dargestellt sind, mit bloßem Auge nicht sehen kann. Das stimmt so – glücklicherweise – nicht. Natürlich hängt es von der persönlichen Wahrnehmung(sfähigkeit) ab (man denke z. B. auch einmal an Rot-Grün-Schwäche…), aber letztendlich von der Intensität des Phänomens. Ich habe inzwischen mehr als 10x Nordlichter beobachtet und sie – nicht in jeder Nacht, aber in denen mit hoher Intensität – auch ganz fabelhaft mit bloßem Auge erkennen können. Die Färbung der Lichter resultiert übrigens aus der Reaktion von elektrisch geladenen Partikeln mit Sauerstoffatomen (grüne bis rote Aurora) oder Stickstoffatomen (violette bis blaue Aurora – selten und nur bei sehr hoher Intensität) bei Eintritt in die Erdatmosphäre. Zum Nachlesen hier: http://6gradost.com/2014/03/30/wo-die-nordlichter-tanzen/
    Sonnige Grüße, Jutta

    • Liebe Jutta,
      vielen Dank für deine ausführliche Erklärung – uns kam es gleich so merkwürdig vor, dass man immer wieder auch davon schwärmt das Farbenspiel zu sehen, wir es aber nur sehr schwach wahrgenommen haben. Eine Aktivität von kP-Index 2 ist natürlich schwach, wie schön muss es dann erst bei Stärke 3, 4 oder mehr sein. Aber wie auch schon geschrieben: Im Endeffekt ist man froh sie überhaupt zum ersten Mal zu sehen, da beschwert man sich nicht darüber, dass sie nur schwach gestrahlt haben. Wir freuen uns schon sehr auf das nächste Mal, das hoffentlich bald sein wird.
      Herzliche Grüße
      Anke & Thorsten

  • wunderschöne Fotos! Nordlichter konnte ich vor zig Jahren in Finnland sehen, leider habe ich zu der Zeit nur eine kleine Digicam gehabt :/. Ein Grund mehr um wieder in den Norden zu reisen 🙂

  • Wunderschöne Fotos. Und das ist also “erst” Stufe 2. Wow, wie muss dann erst ein wirklich starkes Nordlicht aussehen. Mein Wunsch wird größer und größer den nächsten Winter im Norden zu verbringen.

  • Wundervolle Tipps und Fotos!
    Wir haben gestern Abend vom Balkon aus welche beobachten können.
    Aufs Foto gebracht habe ich sie allerdings noch nie…
    Viele Grüße aus Nordschweden,
    Rike

    • Hach, wunderschön. So anstrengend ich mir die lange Dunkelheit in Nordschweden vorstelle – so wunderschön ist es doch, dass ihr dort im Winter so grandiose Nordlicherlebnisse habt! 🙂

  • Herrliche Bilder! Wir brechen im März Richtung Norwegen auf und hoffen, auf den Lofoten Nordlichter zu sehen. Ich esse alle Teller leer für schönes Wetter wenn es sein muss! :-))

    LG, Bree

    • Der März ist eine wunderbare Zeit für Nordlichter. Und das schöne – ihr habt tagsüber auch schon richtig lange Tage 🙂

  • hallo an den Fotografen:

    kleine Frage habe ich noch: Wie soll ich die Kamera einstellen: Weißabgleich automatisch oder Tageslicht???

    Hintergrund zu dieser Frage ist folgende Frage aus unserer Reise 2015:
    Wir hatten automatischen AWB gewählt. Hat zwar sehr oft geklappt, aber es gab “Farbumschwünge” zwischen den Bildern.
    Damit konnten die nicht zu einer längeren Sequenz zusammen genutzt werden.

    Mein Fotogramm hat etwas “Probleme” mit RAW-Daten ….. Trotzdem konnte ich von 2015 längere Sequenzen aus .jpeg Daten zu einem Video zusammen zu stellen.

    Bei Interesse (konkret auch Tipps für unsere Reise 2016) stelle ich die gern zur Verfügung….

    PS: Unsere Daten für 2015 waren ISO 3200 (aus heutiger Sicht zu hoch!!) Blende 4 Brennweite 12mm Bel.-Zeit 4s

    Also ganz einfach: Wer hat Tipps?????
    Ganz herzlichen Dank!

    Viele Grüße aus Radebeul

    Jürgen Peters

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