Golden Circle bei Schnee und Eis

Strokkur

Der Golden Circle bietet das kompakte Island Erlebnis an einem Tag. Die faszinierenden Kräfte der Natur kann man schon nach einer guten Stunde Fahrt von Reykjavik entfernt erleben. Im Sommer haben wir den Golden Circle schon einmal besucht, diesmal war es ein Abenteuer zwischen Schnee und Eis und der erste Kontakt mit den abenteuerlichen Straßenverhältnissen in Islands Winter.

Nationalpark Thingvellir | Winterwonderland auf den Kontinentalplatten

An dieser Stelle driftet Island jedes Jahr um ein paar Zentimeter auseinander. Was im Erdinneren passiert und nur schwer vorstellbar ist wird hier greifbar. Tiefe Erdspalten und Risse in der Erdoberfläche machen die Kräfte der Natur deutlich. Bei unserem Winter-Besuch war die Insel an dieser Stelle dick eingeschneit und viele Spalten und Unebenheiten verschwinden unter der weißen Winterdecke. Der Aussichtspunkt am Visitor Center ist aber im Sommer wie Winter ein Highlight. Wir haben Thingvellir gegen 12 Uhr Mittag besucht – kaum zu glauben, dass die Sonne nur unwesentlich weiter steigen wird.

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Vom Visitorcenter führt der Weg durch zwei tiefe Felsen nach unten und zu mehreren Aussichtspunkten. Folgt man den Weg durch den Schnee über kleine Stege kommt man zum teilweise eingefrorenen Öxarafoss. Entlang der Felsen sind rechts und links dicke Eiszapfen – als hätte jemand einfach die Zeit festgehalten. Wunderschön.

Wenn der Schnee geschmolzen ist lohnt sich sicherlich auch ein Stop an der Silfraspalte. Bei unserem Besuch wäre das Umherwandern dort aber eher gefährlich geworden, da man abseits der Straße keine Wege mehr sieht.

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Geysir Strokkur

Auf dem Weg zum 60 km entfernten Geysir Strokkur machen wir erste Bekanntschaft mit den isländischen Straßenverhältnissen im Winter. Nach der Abzweigung auf die Straße 37 war nichts mehr geräumt, dicker Schnee lag auf der Straße und die Sicht wurde durch aufgewirbelten Schnee schnell schlechter. Unser kleines Schneemobil ist plötzlich hinten rechts ausgebrochen und wir konnten es zum Glück wieder unter Kontrolle bekommen. Erstaunlich mit welcher Geschwindigkeit – und zum Teil ohne Spikes – einige bei diesen Bedingungen unterwegs sind.

Im Nationalpark Thingvellir sind die Straßenverhältnisse noch weitgehend wunderbar...
Im Nationalpark Thingvellir sind die Straßenverhältnisse noch weitgehend wunderbar…
... wenn jedoch plötzlich der Tiefschnee kommt sollte man das Wort "Gegenlenken" schon einmal gehört haben.
… wenn jedoch plötzlich der Tiefschnee kommt sollte man das Wort “Gegenlenken” schon einmal gehört haben.

Nach dem Schnee folgt irgendwann eine knirschende, in der Sonne glitzernde Schicht auf der Straße und das dezente Rutschen macht schnell klar, dass wir auf Eis unterwegs sind. Nach abenteuerlichen 60 km vernehmen wir zunächst den typisch schwefeligen Geruch in der Nase. Nur kurz später sind weiße Dampfwolken neben der Straße zu sehen.

Im Winter sind die Wege bis zum Geysir immer wieder auch vereist und man legt sich schneller auf die Nase als man denkt. Alle 5 Minuten schießt kochend heißes Wasser auf die umliegenden Steine, das im Laufe der Zeit einfriert. Die Fontäne ist im Winter eine riesige Dampfsäule, aber jedes Mal aufs neue absolut beeindruckend. Genau wie die tolle türkis leuchtende Wasserblase, die sich Sekundebruchteile vor dem Ausbruch Richtung Himmel aufbläht.

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Noch mehr als im Sommer freut man sich im Winter bei kalten Temperaturen und eisigem Wind auf eine wärmende Suppe. Die Fisch- und Fleischsuppen im Visitorcenter sind ein guter Snack für Zwischendurch.

Gullfoss | Auch ohne Regenbogen wunderschön

Nach mühsamen Kilometern bis zum Gullfoss erwartet uns auch dort vereiste und verschneite Wege. Viele Abschnitte und Aussichtspunkte sind gesperrt und bei aufziehendem Schneesturm wagt man sich kaum die abgesteckten Pfade zu verlassen. Der obligatorische Regenbogen ist bei diesigem Winterwetter natürlich nicht zu sehen. Stattdessen rauscht das Wasser über teils dick vereiste Felsen einfach in die Tiefe und wirbelt eine dichte Gischt in die Luft.

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Tipps für den Golden Circle im Winter

Plant ausreichend Zeit ein
Im Winter wird es nicht nur spät hell und früh wieder dunkel, sondern auch die Entfernungen zwischen Reykjavik, Thingvellir, Geysir und Gullfoss erscheinen auf einmal viel weiter als im Sommer. Plant ausreichend Zeit für die einzelnen Stationen und auch den Rückweg ein. Als Tagestour ist der Golden Circle aber im Sommer wie Winter perfekt.

Das schönste am Winter: Traumhaft lange und wunderschöne Sonnenuntergänge.
Das schönste am Winter: Traumhaft lange und wunderschöne Sonnenuntergänge.
Auch für das Fotografieren der Schneeponys vergeht gerne die ein oder andere Minute ...
Auch für das Fotografieren der Schneeponys vergeht gerne die ein oder andere Minute …

Beachtet die Straßenverhältnisse
Nicht die komplette Strecke von Reykjavik bis zum Gullfoss wird regelmäßig geräumt. Fängt die Straße noch in gutem Zustand an wird es spätestens Richtung Strokkur abenteuerlich und starker Schneefall in den letzten Stunden oder Tagen werden zur Herausforderung. Während unserer 6 Tage auf Island war die Strecke zwischenzeitlich sogar unpassierbar und gesperrt. Um nicht plötzlich festzustecken achtet unbedingt auf die aktuellen Wetter- und Straßenverhältnisse. Auf der Website von Vegagerdin werden die Straßenzustände alle 10 Minuten aktualisiert – ohne geht es im Winter nicht. An vielen Streckenabschnitten sind Webcams aufgebaut, auch die liefern ca. alle 10 Minuten ein aktuelles Bild der Straßenverhältnisse.

Bei Schnee ist es schön, aber nicht alles möglich
Island bedeckt mit puderzuckerweißem Schnee ist wunderschön – aber das braun-grüne Gras, graue, erdige Farben, die sich unter der Schneedecke verbergen sind mindestens genauso beeindruckend. Bei Schnee sollte man unbedingt auf den Pfaden bleiben, Umherstreifen abseits der Pfade beispielsweise in Thingvellir kann dann schnell lebensgefährlich werden. Einige Pfade und Aussichtspunkte am Gullfoss sind wegen Unpassierbarkeit gesperrt.

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Habt ihr die Golden Circle Tour schon einmal im Winter erlebt? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr alles eingeschneit und vereist erlebt oder hat sich die Natur in winterlich-erdigen Farben präsentiert? Wir freuen uns auf eure Erlebnisse und gerne auch Fotos.

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10 Kommentare

    • Es ist wirklich einmalig! Und so surreal und beeindruckend. Allein die Tatsache, das man gefühlt den ganzen Nachmittag einen Sonnenuntergang erlebt – wow! Trotzdem ist der Winter dort auch eine wirkliche Herausforderung.
      Besonders was das Autofahren angeht – hui, da haben wir uns vorher gar keine großen Gedanken zu gemacht. Dazu demnächst hier noch mehr, das kann nämlich leider auch schnell böse ins Auge gehen.

    • Ja, man fühlt sich gleich heimisch, auch wenn es dann doch ein wenig anders aussieht. Im Sommer wunderschön, im Winter wunderschön – einfach Island 🙂

  • Wunderschön! Im vergangenen Februar lag auch alles unter einem dicken Eispanzer entlang der Route, die ihr hier gefahren seid. Ich fand das wahnsinnig faszinierend. Tolle Fotos, die ihr da gemacht habt! Liebe Grüße, Jutta

    • Danke liebe Jutta 🙂 Bei Schnee und Eis sieht es traumhaft aus. Gerne würden wir es noch einmal erleben wenn der Schnee geschmolzen ist und alles in den isländischen Winterfarben vor uns liegt. Das Gras eher braun, oliv-farben als sattgrün… das hat sicherlich auch was.

  • Wunderschöne Bilder. Island muss echt ein Traum sein. Ich möchte die Insel unbedingt so schnell es geht einmal besuchen – egal ob im Sommer oder Winter.
    LG Nils

    • Hallo Anna,
      der Strokkur bricht ca. alle 6-10 Minuten aus. Ein Ausbruch dauert allerdings nur wenige Sekunden, du musst also die Kamera wirklich startklar haben. Am besten auf einem Stativ alles einrichten, den Fernauslöser in der Hand und dann gespannt warten. Der Moment kurz vor der Fontäne ist der schönste. Dann entwickelt sich diese türkisblaue, leuchtend schöne Blase 🙂
      Den Geysir erreichst du nach ca. 1,5 Stunden Fahrt von Reykjavik aus. Im Winter solltest du großzügig mehr Zeit einplanen, denn die Straßen sind dort im Hinterland nicht geräumt.
      Liebe Grüße und berichte uns gern von deinem Island-Abenteuer
      Anke & Thorsten

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