Islands Süden im Winter

Seljalandsfoss Winter

50 km und ca. 3 Stunden Fahrt darf man bei gutem Wetter für die Strecke von Vík bis Borgarnes im Westen Islands einplanen. Heute war typisch isländisches Wetter. Wir hatten Sonnenschein, Wolken, Regen und Schnee… alles wohldosiert, nie länger als 20 oder 30 Minuten am Stück und genau richtig für eine der spannendsten Strecken unseres Winter-Roadtrips.

Nach dem ersten Blick aus dem Fenster reiben wir uns verwundert die Augen. Wo sich gestern noch Schnee und Eis über die Landschaft legten sieht man heute eine faszinierende Welt aus ocker- und braunfarbenem Gras und Moos.

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Von Vík nach Borgarnes – Der Weg ist das Ziel

Verlässt man Vík auf der Ringstraße Richtung Reykjavik schlängelt sich die Straße unmittelbar nach dem Ortsausgang am Berg entlang nach oben. Das Panorama ist im Sommer wie Winter ein echtes Highlight. Wo soll man zuerst hinschauen? Rechts zu den goldgelb leuchtenden Bergen in der Morgensonne oder doch lieber zu den schneebedeckten Gipfeln am Horizont vor uns? Der Blick in jede Himmelsrichtung bringt völlig neue Eindrücke, vor allem was die dramatischen Wolken angeht.

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Skogafoss

Fährt man auf der Ringstraße Richtung Selfoss kann man den Skogafoss schon von weitem sehen. Zwischen den Regenwolken über uns zieht die weiße Gischt in dicken Schwaden Richtung Himmel. Im Winter ist hier kaum etwas los. So ganz ohne Sonnenschein ist es fast ein wenig unheimlich sich Schritt für Schritt näher an den 60 Meter hohen Wasserfall zu wagen. Noch näher heranzutreten lohnt ohne Sonnenschein ohnehin nicht. Denn nur dann sieht man einen Regenbogen und schließlich weißt der den Besuchern den Weg zum Goldschatz, der angeblich hinter selbigem versteckt sein soll.

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Seljalandsfoss

Einer der schönsten Wasserfälle Islands ist der Seljalandsfoss. Aus dem Sommer kennen wir noch das feuchtfröhliche Erlebnis wenn man einmal um den Wasserfall herum geht. Im Winter sind die Wege auf dem feuchten Boden allesamt vereist, sodass man den Wasserfall nur von vorne und leicht seitlich erleben kann.

Rund um den Seljalandsfoss liegt Eis und Schnee – ansonsten schimmert es auch hier gelb und braun.
Rund um den Seljalandsfoss liegt Eis und Schnee – ansonsten schimmert es auch hier gelb und braun.

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Islands Straßen im Winter – Ein Abenteuer

Zwischen dem Seljalandsfoss und Reykjavik liegen ca. 130 km, die sich als kleines Abenteuer entpuppten. Die tiefdunklen Regenwolken verfolgten uns schon den ganzen Tag, aber unmittelbar vor Selfoss gab es statt kurzem, heftigen Regen einen starken Schneefall. Zuvor ist uns schon der deutliche Temperaturabfall am Autothermometer aufgefallen. Binnen weniger Sekunden war alles um uns herum weiß, starker Schneefall beschränkte die Sicht auf wenige Meter und das übliche leichte Rutschen auf eisigem Boden kam uns irgendwie bekannt vor. Dann kam wieder die Sonne hervor, Wind peitschte den frischen Schnee über die Straße und wenige Kilometer später war wieder alles entspannt.

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Mittagspause in Reykjavik

Das Wetter war heute absolut nicht einladend, um längere Zeit draußen zu verbringen. Wie praktisch, dass wir gegen Mittag nur unweit der isländischen Hauptstadt entfernt waren. Im Café Loki gegenüber der Hallgrimskirkja schlemmten wir uns durch die traditionelle isländische Küche. Bei dem rauen Winterwetter wärmt eine Portion Plokkfiskur mit dem köstlichen isländischen Geysirbrot herrlich von innen. Wer Hering mag wird auf Island sehr glücklich werden – dreierlei Hering auf isländischem Roggenbrot, die perfekte Mahlzeit für den kleinen Hunger. Und weil von den paar Kalorien niemand glücklich wird gibt es zum Nachtisch noch Skyr-Kuchen und Skúffukaka – der leckere Brownie-ähnliche Schokoladenkuchen aus Island.

Im Cafe Loki gehts mit Blick auf die Hallgrimskirkja gemütlich zu.
Im Cafe Loki gehts mit Blick auf die Hallgrimskirkja gemütlich zu.

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Borgarnes zwischen Moos und Schnee

Im Sommer sind wir von Reykjavrik nach Borgarnes rund um den Fjord gefahren – bei den aktuellen Straßenverhältnissen nehmen wir dann doch den modernen Tunnel. Richtung Borgarnes reihen sich die tollen Aussichten aneinander. Links das Meer, rechts die isländischen Lavaberge, die teilweise mit Schnee bedeckt sind und unmittelbar am Straßenrand von arktischen Sträuchern und Wildpflanzen eingerahmt werden. Zottelige Islandponys trotzen auch hier dem eisigen Wind.

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Auch wenn es hier super aussieht – unmittelbar am Hvalfjörður Fjord waren die Straßen dick vereist.
Auch wenn es hier super aussieht – unmittelbar am Hvalfjörður Fjord waren die Straßen dick vereist.

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IslandPonys_Borgarnes

Das kleine Städtchen Borgarnes entdeckt man schon von weitem und es wird auch bei der Anfahrt über die Brücke vor der Stadt nicht wirklich größer. Ein kleines verschlafenes Nest im Westen Islands. Am Ufer liegen dicke Eisschollen am Strand, auf der anderen Seite führt ein breiter Steg über den moosigen Boden.

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Relaxen im Hot Pot

Nach einem langen Tag wünscht man sich sicherlich einfach mal nur die Füße hochzulegen. Nicht so auf Island. Entspannung und Erholung vom Tag findet man hier im Hot Pot. Egal ob natürlich oder künstlich beheizt – das Besuchen von Schwimmbädern und heißen Quellen gehört hier zur Kultur. Im Garten unserer Unterkunft haben wir mit Blick auf die Berge vor Borgarnes einen kleinen 38°C heißen Pott. Schnell die Badeklamotten an, taps taps taps, barfuß durch den Schnee und dann gemütlich im heißen Wasser aalen.

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Die Sache mit dem Wetter …

Das isländische Wetter ist so eine Sache – im Winter ist es besonders extrem. So aufregend wie dieser Tag auch war, ist das Risiko beim Autofahren im isländischen Winter nicht ganz ohne. Vor jeder Tour solltet ihr euch über die aktuellen Straßenverhältnisse informieren. Bei Schnee und Eis ist ein 4×4-Wagen, am besten noch mit Spikes, einfach Pflicht. Holt euch im Zweifel auch Rat von Einheimischen ein. Wenn euch ein Isländer davon abrät zu fahren – lasst es wirklich sein!

Auf der Strecke von Vík nach Borgarnes könnt ihr bei gutem Wetter auch über Thingvellir fahren. Unmittelbar an der Ringstraße liegt das kleine Örtchen Hveragerði, bekannt für viele heiße Quellen und natürliche Hot Pots.

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16 Kommentare

  • Unglaublich schöne Fotos einer beeindruckenden Landschaft.
    Mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Ich bin einfach hin und weg und der Wunsch selbst mal nach Island zu fahren wird größer und größer.
    Vielen Dank für diese großartigen Bilder und Einblicke!

    • Oh danke für das tolle Kompliment 🙂
      Island ist wunderbar, stell dich aber darauf ein, dass du danach immer und immer und immer wieder hin möchtest 😉

  • oh, wieder ganz tolle bilder. von der atmosphäre ja noch besser als im sommer.
    so grandiose motive! man möchte garnicht weggucken.

    wir sind die erste novemberwoche wieder in island. allerdings sind wir fest in reykjavik stationiert, da die tage das iceland airwaves festival stattfindet und wir das immer schonmal machen wollten. werden dann von dort tagestouren machen. freu mich einfach auch schon auf eine woche isländische kultur und atmosphäre.

    • Oh wie toll, wir beneiden dich!! Reykjavik im November ist bestimmt toll und mit ein wenig Glück habt ihr dann schon Chancen auf Nordlichter. Und so oder so ist Reykjavik doch prima für Tagestouren – man kann so viel erleben in der Zeit. Wie es wohl im späten Herbst / frühen Winter in Landmannalaugar aussehen mag 🙂

  • Alle, aber echt alle schwärmen von Island… ich war noch nie da!
    Aber die Bilder, alter Schwede (muss ich Isländer sagen?), der Hammer. Die machen so viel Lust auf das Land, dass ich direkt mal Flüge checken muss. 🙂 Großartig!
    Liebe Grüße,
    Marc

    • Hallo Marc,
      Island lohnt sich, lohnt sich, lohnt sich so sehr! Im Sommer bekommst du teilweise schon sehr günstige nonstop Flüge von Deutschland aus. Airberlin hatte vor kurzem gute Angebote für gut 200 Euro für Hin- und Rückflug 🙂

  • das stimmt. wenn man einmal da war, will man wieder hin. und fährt auch wieder hin 😉

    das hatte ich vorher desöfteren auch gelesen und immer als gerede abgetan, aber es stimmt 🙂

    • Island ist wirklich der ideale Schauplatz für spannende Geschichten, Sagen und Legenden. Vielleicht schaust du ja mal nach günstigen Flügen (im Sommer z. B. mit airberlin nonstop ab Deutschland, Icelandair bietet auch immer gute Pakete an). Manchmal kannst du ein richtigen Schnäppchen machen und bist schneller auf Island als du denkst 😉

  • Atemberaumende Fotos, einfach Wow. Darf ich euch fragen, mit was für einer Fotoausrüstung ihr unterwegs seid? Auch die Farbkompositionen sind brillant – vermutlich in der Nachbearbeitung etwas entsättigt?! Echt stark! btw: Wir fliegen am Donnerstag nach Island und sind total aufgeregt! Vielen Dank!

    • Hallo Dominik,
      wir arbeiten mit Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon, jeweils die 750D und die D7100. Nein, entsättigen mussten wir nichts, Island liefert diese Farben schon genau so im Winter 🙂 Natürlich ist an der ein oder anderen Stelle das Bild optimiert und nachgeschärft – aber an den Farben ist nahezu nichts gemacht worden. Das einzigartige Licht und Farbenspiel ist das absolut faszinierende an Island 🙂

  • Wow…das sieht ja wirklich genial aus, was für tolle Bilder! Ich will auch unbedingt bald nach Island reisen. Wann wart ihr denn genau dort bzw. könnt ihr eine gute Zeit empfehlen? Liebe Grüße, Franzi

    • Liebe Franzi,
      wir waren im Februar dort, das ist eine sehr schöne Zeit im Winter. Die Tage sind schon wieder länger, aber du ahst trotzdem Chancen auf Nordlichter. Der Winter kann aber auch noch sehr beißend und streng sein. Schneestürme, Regen, Nebel, Eis auf den Straßen und teilweise bist du auch tagelang an einen Ort gebunden. Wetterwarnungen muss man in dieser Zeit sehr ernst nehmen – schon viele Touris wurden nach leichtsinnigen Aktionen aus dem Graben gezogen. Schau doch einfach mal bei icelandair.de vorbei – dort findest du immer gute Pakete (teilweise sogar inklusive Mietwagen).
      Letztes Jahr waren wir im Juli und August dort, auch eine wunderschöne Zeit für Island. Scheinbar endlos lange Tage, die Insel blüht und du kannst auch abgelegene Orte prima erreichen. Wenn du dein Island-Abenteuer angehst, plane auf jeden Fall reichlich im Vorraus (6 Monate vorher sind bei Island gar nichts). Gerade in der Hochsaison im Sommer sind Hotels und Hostels schnell ausgebucht.

  • Wow, was für tolle Bilder! *_*
    Nach Island wollten wir in diesem Herbst eigentlich auch, aber dann ist meine Schwangerschaft dazwischen gekommen, und im 9. Monat nimmt mich kein Flieger mehr mit 😀

    LG, OktoberKind 🙂

  • Hi, tolle Seite…
    Ich hätte da mal eine Frage: ich plane Ende Dezember für 5 Tage nach Island zu fliegen, bisher war ich nur im Sommer da. Wir wollen (zu zweit) bis zu den Ice-Caves (nicht weiter als Hof), also nur die Ringstraße im Süden entlang. Ich frage mich, was für ein Auto man da braucht… muss es wirklich ein 4×4 sein?
    Kleiner Tipp wäre super…

    Thx

    Robert

    • Hallo Robert,
      wow, eine super Idee! Das Wetter im isländischen Winter ist immer totale Glückssache. Von schneefrei bis zu komplett vereist war alles dabei. Wir hatten einen Zuzuki Swift 4×4 mit Spikes und waren da absolut froh drum! Auch wenn es nur ein sehr kleiner Allradwagen war – wir würden ihn jederzeit wieder nehmen, da er bei schlechten Verhältnissen einiges an Stabilität gebracht hat.
      Spikes haben die meisten Wagen im Winter standardmäßig (wir haben über Hertz gebucht).

      Viel Spaß im isländischen Winter und wir drücken die Daumen für ein paar Nordlichter
      Anke & Thorsten

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