Fünf Fragen am Fünften | Von Ratschlägen, Schlaghosen & anthrazitfarbenem Humor

Mohnfeld Sommer

Bei der Juli-Ausgabe von Luzia Pimpinellas Fünf Fragen am Fünften war ich ja richtig spät dran. Zu sehr war ichr mit dem Herzen noch in Skandinavien und musste mich hier in der Heimat erst einmal sortieren. So langsam sind wir wieder auf Spur, die Berge an Wäsche sind (vorläufig) gewaschen, wir haben uns mit kiloweise Wassermelonen eingedeckt, um die Hitze zu ertragen und wir schwelgen in Erinnerungen. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass die Eingewöhnung Zuhause dann doch so lange dauert. Vorbei sind die Zeiten in denen wir sonntags mit Jetlag Zuhause ankommen und montags wieder im Büro sind. Die Zeit zwischen Auszeit und Verpflichtung tat uns richtig gut. Frisch motiviert gibt es also dann heute pünktlich meine Antworten auf Luzias Fünf Fragen für August. Ab dafür!

 1. Wen fragst du, wenn du einen guten Rat brauchst?

Meinen Mann. Keiner kennt mich so gut wie er und keiner versetzt sich so sehr in meine und andere Positionen wie er. Wir reden dann tage- und nächtelang, auf langen Autofahrten oder Wanderungen. Der Ortswechsel ist häufig auch der erste Teil seines Rats. Einfach mal die Perspektive wechseln, raus kommen aus dem Trott und Augen, Ohren und alle Sinne neu ausrichten. Meistens ist es gar nicht der eine Gedankenblitz, der mich weiterbringt, sondern eben genau dieser Perspektivwechsel. 

Und natürlich: Mama. Sie weiß immer einen Rat und hört zu. Genau das reicht ja manchmal auch aus, oder? Scheinbar habe ich von dieser Gabe einiges geerbt, denn wenn ich genauer darüber nachdenke werde ich deutlich häufiger um Rat gefragt, als dass ich andere frage.

Schären Stockholm

2. Welchen Modetrend, den du früher mal mitgemacht hast, findest du heute nachhaltig lächerlich?

Hui, irgendwie sind doch fast alle Modetrends von früher irgendwann lächerlich, oder? Denn ein Modetrend hat es ja an sich, dass er meist nicht länger als ein vielleicht zwei Jahre überlebt, schwer durch Marketing gesteuert wird und um jeden Preis auffällt. Als ein Kind, das seine Jugend in den 90ern und frühen 2000ern verbracht hat, gehören da auf jeden Fall Schlaghosen, Plateauschuhe und bauchfreie Oberteile zu. Okay, bei diesen drei Optionen sind die Schlaghosen noch das harmloseste. Wobei es ja auch nicht so richtig Schlag war. So wie noch in der Jugend unserer Eltern. Wahrscheinlich finde ich dann in 20 Jahren den Skinny-Jeans-Trend von heute total daneben. Oft ging es auch um den Hype bestimmter Marken wie Nokia oder Eastpak (muss ich diesen Artikel eigentlich wegen unverlinkter Markennennung längst vergangener Trends jetzt auch als Werbung kennzeichen?!)

By the way: Schade, dass durch oberflächlichen Modetrends das Wort „Trend“ so negativ behaftet ist. Dabei ist Trendforschung oder die Beschäftigung mit langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen ja höchst spannend. Welchen Einfluss hat Technik und Digitalisierung auf unser Leben? Welche Auswirkungen hat eine vernetze Welt auf unsere unmittelbare Umgebung, auf unsere Region, unser Land und die ganze Welt? Wie verändert sich unser Leben, unsere Arbeitswelt unser Miteinander? Dazu lese ich unglaublich gerne Gedanken und Theorien, zum Beispiel von Richard David Precht. Er kann finde ich wie kaum ein Zweiter Komplexes auf den Punkt bringen und mich zum Nachdenken anregen.

3. Willst du immer alles erklären?

Ja. Und allein, weil ich es nicht nur bei einem einfachen „Ja“ belasse, wird es ja schon deutlich: Ja, ich liebe es die Welt zu erklären, einen Sinn hinter den Dingen zu erfragen, zu erforschen und zu philosophieren. Mir fällt es schwer, dass es für viele Dinge aber auch keine oder erst einmal keine Erklärung gibt. 

4. Wie würden dich Leute beschreiben, die dich zum ersten Mal sehen?

Gute Frage – das habe ich mein Gegenüber nach einem ersten Treffen noch nie gefragt. Vielleicht, dass ich auf die Frage „Was möchtest du trinken“ immer mit „Wasser“ antworte. Aus voller Überzeugung. Weil es mir schmeckt und sämtliche Eis-Kaffee-Frappu-Cappu-Latte-Saft-Schorlen-Gedöns-Getränke nur bedingt Begeisterung bei mir wecken. Wer mich auf einer Feier kennenlernt findet mich immer in der Küche. Und ja, wie würde man mich dann beschreiben, wenn man mich mit Leckereien auf dem Teller oder vor dem Kochbuch-Regal des Gastgebers stehen sieht? Wahrscheinlich als groß, interessiert, zurückhaltend, fröhlich, neugierig, gelassen.  

Fika Cafe Mandeltartan

5. Was für eine Art Humor hast du?

Anthrazitfarben. Er ist oft noch nicht schwarz, aber auf dem besten Wege dahin. Es gibt nichts schlimmeres als „Darüber macht man keine Witze“ oder „Darüber darf man nicht lachen“. Man darf und muss über alles lachen können, es ist die schönste Art die Welt und das Leben zu verarbeiten. Und bei vielem was als politisch inkorrekt oder grenzwertig gilt, stelle ich fest, dass die vermeintlich geschmähte Gegenseite es noch viel komischer findet als ich selbst. Ich mag Wortwitze und Satire – kann mir aber selten Anekdoten merken. Spontan einen Witz erzählen gelingt mir schlichtweg nicht, weil ich mir keinen merken kann.

So. Das waren sie schon wieder, die Fünf Fragen am Fünften im August. Jetzt glüht die Tastatur, der Laptop braucht eine Hitzepause und ein frischer Salatteller ruft: “Futter mich auf bevor ich welk werde!”. Und das Eis des Tages, das es heute noch nicht gab, freut sich auch schon auf mich. Wer mich aktuell zum ersten Mal sieht würde mich auf jeden Fall eisessend beschreiben! Genießt den Sommer, genießt den August!

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2 Kommentare

  • das mit dem anthrazitfarbenen Humor unterschreibe ich sofort! Es gibt so viele Situationen,in denen ein wenig Humor durchaus helfen würde…, und es gibt doch nichts was mehr verbindet,als gemeinsam zu lachen, oder?
    Schönen Sonntag un Grüße von der Förde, Britta

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