Foto-Challenge: Sonnenuntergang in Kanada | Lightroom Tutorial

Während unseres Roadtrips durch Kanada und die USA haben uns jede Menge Nachrichten erhalten – und diesmal außergewöhnlich viele zum Thema Fotografie. Welche Kamera nutzt ihr? Wie bearbeitet ihr euch Bilder? Wie holt ihr aus euren Bildern das letzte Fünkchen Qualität heraus? Da kommt die Fotobearbeitungs-Challenge vom Reisen-Fotografie-Blog genau richtig. Schon zum zweiten Mal rufen Thomas und Melanie zur Foto-Challenge auf – diesmal geht es um ein besonders trickiges Motiv: Ein Sonnenuntergang an einem kanadischen See.

Dynamikproblem: Sonnenuntergänge

Sonnenuntergänge zählen zu besonders spannenden Motiven, die aber nicht immer ganz einfach zu fotografieren sind. Entweder ist der Himmel hoffnungslos überbelichtet und weiß oder der Vordergrund ist tiefschwarz. Und mal ehrlich: Wer abends im Urlaub noch ein wenig am See sitzt hat auch nicht immer Lust Stativ, Grauverlaufsfilter und Co mitzuschleppen. Ein hoher Dynamikumfang bei guten Spiegelreflex- und Systemkameras macht es allerdings auch ohne Filter und Stativ möglich ein ausgeglichen belichtetes Foto aufzunehmen. Ausgeglichen belichtet bedeutet in der späteren Fotosichtung aber häufig: Völlig flaue Farben! Wohin ist nur die Magie des Augenblicks als ihr noch am See gehockt habt? Nun, das holen wir im Nachhinein mit Adobe Lightroom zurück in eure Aufnahme.

Schritt für Schritt zum perfekten Sonnenuntergang
Schritt für Schritt zum perfekten Sonnenuntergang

#1: Die Basics: Importieren & Objektivkorrektur

Nach dem Importieren des Fotos starten wir mit den Basics der Entwicklung. In der rechten Spalte wählen wir bei den Einstellungspaletten den Punkt Objektivkorrekturen aus. Ein Haken bei Profilkorrekturn aktivieren und Chromatische Abberation entfernen aus. Das Ergebnis wird sofort sichtbar – die objektivseitige Verzerrung und z. B. die Abschattungen in den Ecken des Bildes sind verschwunden.

#2: Kontrast & Farbe mit Verlaufsfiltern schaffen

Das wichtigste am Bild kommt jetzt: Die Farbe. Wie ihr einen Sonnenuntergang farblich drehen wollt bleibt ganz dem eigenen Geschmack überlassen. Ich möchte heute in die warmen orange-gelb-pinken Töne greifen. Dazu arbeiten wir uns vom gesamten Bild in die Details. Als erstes zieht ihr im gesamten Bild Klarheit und Kontrast an. Die Tiefen werden ein wenig aufgehellt und die Farbtemperatur insgesamt etwas ins Warme gedreht.

Sonnenuntergang Kanada
Stück für Stück färbt ihr den Himmel bis zum perfekten Licht

Vor allem der Himmel braucht deutlich mehr Farbe. Dazu nutzt man am besten mehrere radiale Verlaufsfilter. Die Regler Tönung schiebt ihr in Richtung Magenta und zaubert so Stück für Stück einen leuchtend roten Sonnenuntergang. Auch die Farbregler für Rot, Orange, Gelb und Magenta können euch dabei helfen. Orange und Gelb ziehen wir in der Sättigung an – das ergänzt sich gut mit dem rosa-pinken Himmel.

Leicht hat man zu viel Pink am Bild, da müssen wir flugs gegensteuern. Lineare Verlaufsfilter sind das Mittel der Wahl. Setzt oben am Himmel und eventuell an den Seiten jeweils einen Verlaufsfilter und schiebt die Farbtemperatur in den kalten blauen Bereich und reduziert ein wenig die Belichtung. So entsteht ein schöner Kontrast zwischen dem glühenden Sonnenuntergang und dem blauen Himmel darüber. Wenn euch das blau zu stark ist korrigiert es mit dem blauen Farbtonregler ein wenig in Richtung Lila.

Ein besonders mächtiges Werkzeug sind die Teiltonungen. Wählt hier ein warmes Pink und reduziert die Sättigung auf rund 25%. Und schon leuchtet alles noch ein wenig intensiver.

#3: Betonung des Vordergrunds mit Pinseln

Was mich immer noch stört ist der unruhige Vordergrund. Die Baumstämme müssen wir noch ein wenig besser herausarbeiten, dann bilden sie einen schönen Kontrast zum Hintergrund. Dazu nutzt ihr nun einen weichen Pinsel und schiebt zuvor den Farbtemperaturregler in den warmen, gelben Bereich. Dabei auch noch einmal Klarheit und Tiefen ein wenig nach rechts verschieben, so kommt die Struktur der Stämme besser heraus. Der Stein vorne links im Wasser stört das Gesamtbild ein wenig. Mit den Reparaturpinseln wird er kurzerhand entfernt.

Sonnenuntergang Kanada

#4: Aufräumen und Struktur schaffen

Nun gilt es ein wenig Ordnung ins Bild zu bringen. Eine gute Landschaftsaufnahme lebt von einer klaren Bildstruktur. Im Vordergrund des Bildes herrscht mit dem Kies und den vielen Baumstümpfen aber reichlich Chaos. Mit Klick auf das Freistellen-Werkzeug in der Werkzeugpalette verändern wir nun das Format des Bildes Die eingeblendeten Drittellinien helfen sehr gut bei der Strukturierung. Eine Faustformel ist die Ein-Drittel / Zwei-Drittel Regel. Für eine gute Bildwirkung entscheidet man sich entweder für ein Drittel Himmel und zwei Drittel unterhalb des Horizonts oder umgekehrt.

Die Faustformel gibt natürlich nur eine Richtung vor – man kann und sollte auch von dieser Regel abweichen, wenn es das Motiv hergibt. Grundsätzlich hilft es schon bei der Aufnahme auf eine entsprechende Aufteilung zu achten. Ein Gitter könnt ihr euch bei den meisten Kameras auch einblenden lassen.

Sonnenuntergang Kanada
Unser (Zwischen)-Ergebnis: Ein pink leuchtender Sonnenuntergang am kanadischen Abendhimmel

Das Ergebnis gefällt mir schon recht gut: Die Lichtstimmung ist dramatisch und die Baumstämme im Vordergrund trennen sich gut von den unruhigen Kieselsteinen am Flussufer.

Ergänzung: Lichtstimmungen ändern

Je länger ich mir das Bild anschaue, desto eher kann ich es mir auch in einer ganz anderen Lichtstimmung vorstellen. Das ist das tolle an Sonnenuntergängen – hier ist farblich fast alles möglich. Sehr schnelle Ergebnisse erzielt ihr durch einfaches Verschieben des Temperaturreglers und beim Spiel mit der Teiltonung. Probiert einfach mal beide Richtungen aus!

SonnenuntergangKanada_02_Panorama_02

Sonnenuntergang Kanada

Ergänzung: Die perfekte Spiegelung

Ich saß ja selbst erst kürzlich am Ufer der wunderschönen Seen in den kanadischen Rockies. Am schönsten sind sie einfach wenn das Wasser ganz ruhig ist und sich die Berge im Hintergrund darin spiegeln. Nun, das klappt in der Realität natürlich nicht immer – kaum weht ein leichter Wind ist die Idylle dahin. Aber heute ist mir danach einfach diese Spiegelung künstlich zu erzeugen.

Dazu nutzen wir einen Umweg über Photoshop. Ihr klickt auf Foto > Bearbeiten in und wählt Photoshop aus. Hier lässt sich nun mit dem Auswahl- und dem Transformationswerkzeug der entsprechende Bereich des Himmels spiegeln. Die Baumstämme stellt ihr mir einer simplen Ebenen-Maske und mehreren unterschiedlich weichen Pinseln wieder frei.

Das Ergebnis ist weit weg vom Original, aber ein schönes stimmungsvolles Bild!
Interessante Variante: Aus Versehen den falschen Shortcut benutzt und statt der vertikalen eine horizontale Spiegelung des Horizonts eingefügt. Der Baumstamm zeigt auf die dramatischste Stelle am Himmel.
Sonnenuntergang Kanada
Unser Ergebnis: An diesem See würden wir heute Abend gerne sitzen 🙂

Anmerkung: Diese Bildbearbeitung ist weitaus aufwändiger als das, was normalerweise mit unseren Bildern geschieht. Klar, ich habe das Bild nicht selbst gemacht und entferne nun all das nächträglich, was ich vielleicht im Moment der Aufnahme schon anders entschieden hätte. Am liebsten kitzel ich aus einem RAW nur noch Dinge heraus und verändere nicht mehr das komplette Bild. Zwischendurch macht so etwas aber mal richtig Spaß und genau das ist im Rahmen einer solchen Challenge ja möglich.

Wir haben schon ein wenig gestöbert was andere Teilnehmer der Challenge so für Ergebnisse erzielt haben. Sehr schön finden wir das Video-Tutorial von Marc vom Reisezoom-Blog. Ein hilfreiches Plugin für Vorher-Nachher-Darstellungen von Fotos auf Blogs haben wir bei Clemens vom FoBo-Blog gefunden. Und Birgit vom Seh-n-Sucht-Blog hat genau wie wir ein bisschen mit der perfekten Spiegelung experimentiert.

Ein sehr schönes Video unabhängig von dieser Challenge findet ihr auch auf dem YouTube-Kanal von Andre Heinermann.

Wie gefallen euch die Ergebnisse? Welches ist eure liebste Farbstimmung? Und abhängig von dieser Challenge: Wo habt ihr euren schönsten Sonnenuntergang erlebt? Wenn ihr zukünftig gerne mehr Tutorials und vorher-nachher-Ansichten wünscht freuen wir uns über euer Feedback in den Kommentaren.

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14 Kommentare

  • Ich finde das letzte Foto mit der Spiegelung am besten. Das erinnert mich selbst ein wenig an Kanada! Meinen schönsten Sonnenuntergang habe ich in Südafrika erlebt. Über der Savanne, einige Meter vor uns grasten die Giraffen – einmalig schön!

    • Oh, Sonnenuntergänge in Südafrika <3 Da gerate ich gleich mit dir ins Schwärmen. Wunderschön! Wir haben mehrere davon auf einer Safaritour erlebt - einfach traumhaft, wenn man irgendwann nur noch die Silhouetten der Tiere in der Abendsonne erkennt!

  • Sehr cooles Tutorial. Ich hätte gerne mehr davon, damit ein wenig bei der Entstehung eurer tollen Bilder dabei sein kann. Einstellungen von Fotos finde ich auch immer ganz hilfreich 🙂

    • Danke Ricarda, es wird auf jeden Fall noch was nachkommen 🙂 Die Einstellungen bei diesem Foto sind übrigens ISO 100, 10mm Brennweite, Blende 5,6 und 1/10 Verschlusszeit. Für ein Foto ohne Stativ wirklich sehr scharf!

  • Guten Morgen,

    Danke fürs Mitmachen bei der Challenge – das freut mich riesig und das Ergebnis ist wunderschön geworden.

    Schickt Ihr mir das Ergebnis noch per Mail oder soll ich das für die Zusammenfassung hier weg kopieren?

    LG Thomas

    • Hallo Thomas,
      sehr gerne, das haben wir uns seit deinem Aufruf auf die ToDo-Liste geschrieben. Das Bild ist einfach zu schön und macht die ohnehin schon frischen Erinnerungen an Kanada noch einmal frischer. Wir schicken dir das Foto gleich rüber (und würden uns danach am liebsten wieder nach Kanada beamen).
      Wir sind ganz gespannt auf die Gesamtübersicht der Bilder und freuen uns auf die nächste Challenge. So etwas sollte man wirklich als regelmäßiges Format einrichten.

  • Eine schöne Spielerei – was mir an dem Endergebnis nicht gefällt ist, dass das lange Holz, dessen Richtung mein Auge folgt im Dunklen landet. So wie Tommi die Berge im HG fotografiert hat, zeigte das Holz in die Richtung von der hellen Stelle im Horizont. Für mein Gefühl erdrückt es jetzt – vorher war es vom Blick her frei.

    Meine Frage: Warum hast Du die Horizontlinie vertikal gespiegelt?

    • Hallo Birgit,
      danke für dein Feedback – das hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Geschichte hinter horizontalen Spiegelung waren meine zu flinken Finger 😉 Ich habe per Shortcut die Auswahl gespiegelt, dabei aber die horizontale statt der vertikalen im Eifer des Gefechts gewählt. Erster Gedanke: Sieht gar nicht so schlecht aus. Jetzt habe ich mir durch deinen Hinweis mal die “originale” und die getauschte Spiegelung angeschaut und stimme dir zu. Mit Blick auf den hellen Punkt am Himmel wirkt es noch ein bisschen besser. Danke dir 🙂

  • Geniales Bild! Auf nach Kanada 😉 wir sind im August in Kanada und hoffen auch auf solche Momente! Dann natürlich am Himmel und nicht in Lightroom 😉
    Arbeitet ihr immer mit der Kombi Lightroom / Photoshop?

    • Hallo Leon, normalerweise arbeiten wir mit Lightroom – sowohl für die Archivierung, Verschlagwortung und natürlich für die Bearbeitung. Wenn es größere Retuschen gibt nehmen wir den “Umweg” über Photohshop. Das kommt aber eher selten vor. Im Rahmen einer solchen Challenge kann man ja einfach mal ungewöhnliche Wege gehen 😉

  • Ein bisschen Rot, Orange, Gelb und Magenta reicht meiner Meinung schon, um aus einem tollen, natürlichen Bild einen Photoshopmurks zu machen. Die perfekte Spiegelung macht es dann ultimativ kaputt. Meiner Meinung nach sollte man die Stimmung und Bilder so einfangen, wie es tatsächlich war. Klar, darf man da etwas aufhellen aber neue Farben und Objekte rein mischen? Nee sorry…

    • Diese Bearbeitung ist sicherlich deutlich über dem, was wir normalerweise mit einem Foto machen. Allerdings sind Challenges für uns auch immer eine schöne Spielwiese, um einfach mal was Neues auszuprobieren. 🙂 Das Bild stammte im Original auch nicht von uns und war auch nicht optimal aufgenommen. Tendenziell zu dunkel und leicht unscharf. Da neigt man zu Experimenten, um einfach mal zu zeigen was möglich ist.

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